Die Lehrgangsteilnehmer mit Landesschulungsleiter Hans-Josef Lakatos

Letzter Kombilehrgang in diesem Jahr in Forst

Der zweite Lehrgang in diesem Jahr war stark besucht, daher stellten uns die Schützenfreunde des KKS Forst für die drei Tage vom 11. bis 13. November 2017 ihre große Schießsporthalle zur Verfügung.

Am Samstag stand der Lehrgang ganz im Zeichen des Umgangs mit Vorderladewaffen und das Böllern. Die Unterweisung erfolgte durch Hans-Josef Lakatos und Mathias Zäpfel, der erkrankte Referent Olaf Winter (Böllerreferent) konnte leider nicht anwesend sein. Die Bewältigung der theoretischen und praktischen Unterweisung nur durch den Landesschulungsleiter und den Referenten für Vorderladewaffen war deshalb eine arbeitsintensive Angelegenheit. Hier war einfach Geduld gefordert, was auch für die beiden weiteren Lehrgangstage der Fall war. Bei all diesen Tätigkeiten, dem Böllern und Schießen mit Vorderladewaffen – und das möchte ich wirklich noch einmal betonen – ist diese Tugend unentbehrlich. Wer in Hektik verfällt, begeht Fehler und die können folgenschwer sein. Die Referenten haben das in ihrer Ansprache überdeutlich vermittelt. Nach einer schriftlichen Abfrage und der praktischen Handhabung der Waffen und Böller, bei dem auch alle Probanden ihren gestellten Anforderungen gerecht wurden, ging ein arbeitsintensiver Tag zu Ende.

Der darauffolgenden Tag stand ganz im Zeichen des Wiederladen von Zentralfeuerpatronen. Hinzugestoßen an diesem Tag war ich, da ich ja als Wiederladereferent bei diesen Lehrgängen fungiere. Bei dieser sehr umfangreichen Unterrichtung assistierten mir der Landesschulungsleiter und Vorderladereferent. Zur besseren Verdeutlichung der Thematik hatte der Landesschulungsleiter mit meiner Hilfe eine Präsentation erstellt, in dem die verschiedenen Abläufe und Komponenten, die zum Laden einer Zentralfeuerpatrone erforderlich sind, bildlich dargestellt wurden. Es kam in dieser mehrstündigen Unterrichtung zu einem fruchtbaren Dialog und die vielen gestellten Fragen konnten hinreichend beantwortet werden. Die Konfrontation mit den vielen Fachbegriffen und Messwerten, die man einfach wissen muss, haben doch ein wenig Kopfzerbrechen verursacht. Deutlich wurde auch gesagt, dass der Umgang mit Treibladungspulver, Anzündhütchen, Geschossen und Hülsen sehr viel Kenntnisse voraussetzt, die fortlaufend aktualisiert werden müssen.

Eine herausragende Information war zum Abschluss des theoretischen Teil des Vortrags der Vorgang in der Waffe beim Schuss. Wie sich der Gasdruck entwickelt, welche Reibungswiderstände und Temperaturen entstehen, was Freiflug und rotationsloser Geschossweg sind und nicht zuletzt welches Treibladungsmittel man benötigt, verdeutlichten die hohen Anforderungen an die zukünftigen Wiederlader. Nach dem Mittagessen ging es gestärkt zur Bewältigung der weiteren Aufgaben weiter. Nach zusätzlich kurzen Erklärungen zu den am Vormittag besprochenen Punkten stand der Nachmittag nun ganz im Zeichen der praktischen Handhabung. Die Geräte waren bereits an Tischen aufgebaut und so konnte der gesamte Vorgang der Herstellung einer Patrone Schritt für Schritt erläutert und ausgeführt werden. Dass es sich hier um eine sehr verantwortungsvolle Tätigkeit handelt, wurde nochmals besonders herausgestellt. Fortlaufendes Messen der Kartuschen mit dem Messschieber, einwandfreies Setzen der Zündhütchen, genaues Abwiegen der Pulverfüllung und zum Schluss das verkanntungsfreie Setzen des Geschosses usw. sind unentbehrlich Schritte, wenn man eine maßhaltige Patrone mit einer guten Präzision fertigen möchte. Es war eine noch ungewohnte Arbeit die zuvor festgelegte Pulvermenge genau zu dosieren, denn nur winzige Körner haben die Anzeige der Waage nach oben oder unten verändert.

Alle und das war eine mehrstündige Angelegenheit, haben es jedoch geschafft wie Hans-Josef Lakatos, Mathias Zäpfel und ich sehen konnten. Jetzt war auch jedem Auszubildenden unmissverständlich klar geworden, dass er in den beiden Tagen für dieses anspruchsvolle Hobby nur ein Grundwissen erworben hat jedoch sich fortlaufend weiterbilden muss. Nur Übung macht den Meister. Die übliche Bemerkung des verstorbenen früheren Referenten Wolfgang Goldschmidt bei jedem Lehrgang, dass die Geschichte des Pulvers mit Blut geschrieben ist, habe ich als historische Geschehnis während meines Referats prägnant erwähnt. Auf den Umstand. dass jeder Wiederlader eigenverantwortlich handelt und sich dieser Verantwortung auch bewusst sein muss, haben der Landesschulungsleiter und ich bei der Ausbildung ebenso vielfach hingewiesen. Am Ende dieses langen Arbeitstages wurde das erlernte Wissen in einer weiteren schriftlichen Prüfung abgefragt.

Der Montag stand ganz im Zeichen der rechtlichen Unterweisung, die Herr Kersten Sparr vom Regierungspräsidium Tübingen vornahm. Bis zum Eintreffen dieses Referenten wurden die falschen oder unzureichenden Beantwortungen der in den Prüfungsunterlagen gestellten Fragen noch einmal ergänzend erklärt und beantwortet. Im weiteren Verlauf des Vormittags und nach dem Mittagessen hat Herr Kersten Sparr sein mehrstündiges Referat über die gesetzlichen Vorschriften des Sprengstoffgesetzes abgehalten. Ziel dieser Wissensvermittlung ist, den regelkonformen Umgang mit Treibladungsmittel (Nitrocellulose und Schwarzpulver) zu konkretisieren. Da auch hier eine schriftliche Überprüfung des gespeicherte Wissen der Probanden erforderlich ist, war nach 15:00 Uhr im Unterrichtsraum Stille eingetreten. Eine weitere größere mündliche Abfrage war nicht notwendig, der Themenkomplex wurde verstanden, dementsprechend war das gesamte Prüfungsergebnis zufriedenstellend.

Mit meinem Appell sich fortlaufend literarisch weiterzubilden und die vorgeschriebenen technischen Abläufe sowie rechtlichen Vorgaben absolut einzuhalten, bedankte ich ich mich für die Aufmerksamkeit während dieses Lehrgangs. Schulungsleiter Hans-Josef Lakatos bedankte sich bei Allen für die rege Teilnahme und überreichte ihnen das begehrte Fachkundezeugnis, das zum Erwerb von Treibladungsmittel erforderlich ist. Den Wunsch, man möge sich immer gesetzeskonform verhalten, sprach Herr Sparr abschließend aus.

Ein Dankeschön richtet sich an die Schützenhausgastwirtin Frau Kocintar, die uns an den drei Tagen verköstigt hatte so wie an OSM Georg Schneider, der die Räumlichkeiten seiner Schießanlage für den Lehrgang bereitgestellt hatte.

Erwähnen möchte ich auch einmal die ehrenamtliche Tätigkeit des Landesschulungsleiters Hans-Josef Lakatos, der ja erst seit Herbst 2016 für die Durchführung dieser Lehrgänge verantwortlich zeichnet. Mit seinen ebenfalls ehrenamtlichen Referenten ist er stets bemüht diese Lehrgänge informativ und abwechslungsreich zu gestalten. Er und die Referenten stellen nicht nur ihre Zeit zur Verfügung sondern auch die technischen Werkzeuge, Schießgeräte, Literatur und Anschauungsmaterial, die zur Durchführung notwendig sind.

Ein Dankeschön auch an die Firma Dirk Johannsen in Neumünster, die uns Kataloge für Wiederladeausrüstungen zur Verfügung gestellt hatte.

Die Termine und näheren Auskünfte für die kommenden Kombilehrgänge 2018 stehen noch nicht fest. Sie können jedoch über den BSV in Erfahrung gebracht werden. Um eine rechtzeitige Anmeldung beim Lehrgangsleiter Hans-Josef Lakatos oder BSV Leimen wird gebeten. Ebenso sollten die Kursteilnehmer die für den Lehrgang erforderliche Unbedenklichkeitsbescheinigung frühzeitig bei der zuständigen Verwaltungsbehörde beantragen und sie dem BSV mit der Anmeldung zusenden.

Außerdem sollten sie sich in der kommenden Zeit mit der entsprechenden Lektüre ( Wiederladen-Vorbereitung und Praxis 6. Auflage der DEVA oder ähnliche Bücher) befassen. Das ist sehr hilfreich und trägt zum besseren Verständnis der umfangreichen Thematik bei.

 

Günter Graf
Presse, Wiederlader-, Vorderlader-, Böller-Lehrgangswesen

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